Zum Hauptinhalt springen

Unruhige Zeiten bei Bio-Getreide

Erstmals wurde bei der deutschen Bio-Getreideernte die 1-Millionen-Tonnen-Marke überschritten. Deutlich gewachsen ist auch die Nachfrage nach Bio-Getreide auf Seiten der Verbraucher und der Bedarf der Tierhalter. Wie sieht die Marktversorgung bei Hafer, Dinkel und Weizen aus?

Die Nachfrage aus der Lebensmittelbranche nach Hafer und Dinkel ist so groß, das trotz der größeren Erntemenge die Versorgung knapp bleibt. Dinkel gehört zu den Trendprodukten für eine immer größer werdende Anzahl an Müslis und Porridges. Dazu kommt eine hohe Rohstoffnachfrage zu Herstellung vegetarischer Milchgetränke aus Hafer und Dinkel. Das sorgt für stabile bis leicht steigende Erzeugerpreise.

Bei Brotweizen ist der Erzeugerpreis leicht gesunken. Die Kleber- und Eiweißgehalte sind 2020 nicht so außergewöhnlich hoch wie in den vergangenen zwei Trockenjahren.

Ganz anders sieht die Situation auf dem Roggenmarkt aus, dieser ist richtiggehend zusammen gebrochen. Hohe Preise in den vergangenen Wirtschaftsjahren haben die Landwirte teils zu übermäßigen Flächenausweitungen veranlasst. Oft auch auf Standorten, wo besser Weizen oder Dinkel hätte wachsen können. Da auch die Nachfrage nach Roggenprodukte eingebüßt hat, wurden einige Partien, insbesondere aus der Umstellung, zu konventionellen Preisen verkauft. Ohnehin haben sich bei den meisten Kulturen die Preise für Umstellungsware – immer als Futter verwendet - eher den konventionellen Preisen angenähert als wie bisher den Preisen für anerkanntes Bio-Futtergetreide. Das dürfte noch 1-2 Jahre so bleiben, sich aber wieder umdrehen, wenn die Menge an Umstellungsware vergleichsweise geringer wird.

Durch den größeren Anbau in Deutschland ist auch die Nachfrage nach importiertem Bio-Getreide gesunken. Immer mehr Hersteller legen großen Wert auf inländische Ware. Wurden 2015/16 noch 25 % des Bio-Getreides in Deutschland importiert, waren es 2018/19 nur noch 17 % und dürften auch 2020/21 weiter sinken. Bei größerer Fläche durch Umstellungen seit 2016 hat sich die Bio-Getreidefläche in den vergangenen 5 Jahren veranderthalbfacht. Damit sind die bisherigen Lager- und Verarbeitungskapazitäten an ihre Grenzen gestoßen. Gleichzeitig sind Bio-Produkte immer mehr gefragt. Daher haben nicht nur Landwirtschaftsbetriebe umgestellt, sondern auch viele neue Verarbeiter und Lagerhalter sind hinzugekommen. Der Markt wird damit immer unübersichtlicher, die lange Zeit üblichen langfristigen Verträge werden zumindest bei den Standardkulturen weniger.

 

Das könnte Sie auch interessieren:

Zuhause wird mehr Bio-Milch konsumiert

Wohin mit all den Kartoffeln?